Ein Buch veröffentlichen
Zwischen einem fertigen Manuskript und einem Buch im Regal liegen mehr Entscheidungen, als man denkt. Keine davon ist kompliziert – man muss sie nur kennen.
Zuerst: Wofür ist das Buch?
Die Antwort entscheidet über fast alles Weitere. Eine Vereinschronik zum Jubiläum, ein Kochbuch für den Verkauf im Hofladen und eine Autobiographie für die Familie sind drei verschiedene Aufgaben – auch wenn am Ende dreimal ein Buch dasteht.
Davon hängen ab: die Auflage, ob es eine ISBN braucht, ob Pflichtexemplare fällig werden und wie aufwendig Papier und Bindung ausfallen sollten.
Das Manuskript vorbereiten
Am liebsten als Word-Datei, durchgehend, ohne Gestaltungsversuche. Das klingt paradox, spart aber Arbeit: Alles, was im Word bereits formatiert wurde – Einzüge mit Leerzeichen, Zeilenumbrüche statt Absätze, händisch eingefügte Seitenzahlen – muss im Satz erst wieder entfernt werden.
Zwei Bitten, die viel Zeit sparen:
- Bilder getrennt liefern, in der Originalgröße, nicht ins Dokument eingefügt. Word rechnet Bilder beim Einfügen herunter; was dabei an Auflösung verloren geht, ist nicht wiederherstellbar.
- Überschriften als Überschriften auszeichnen, nicht nur größer und fett machen. Daraus entstehen später Kapitel und Inhaltsverzeichnis automatisch.
Format, Papier, Bindung
Diese drei hängen zusammen und werden gemeinsam entschieden.
Das Format folgt dem Inhalt: Ein Fotoband will Fläche, ein Textband will eine angenehme Zeilenlänge. Zu breite Seiten liest niemand gern – etwa 60 bis 70 Zeichen pro Zeile sind die Spanne, in der es angenehm bleibt.
Beim Papier entscheidet der Bildanteil. Viele Fotos wollen gestrichenes Papier, ein reiner Textband ist auf ungestrichenem angenehmer zu lesen und blättert sich besser. Mehr dazu unter Papier verstehen.
Die Bindung ergibt sich aus dem Umfang. Bis etwa 60 bis 80 Seiten geht Rückenstichheftung – die Klammer in der Mitte. Darüber wird klebegebunden, mit flachem Rücken, auf den man etwas drucken kann. Für Hardcover ist mehr Vorlauf nötig, weil der Buchblock und die Decke getrennt gefertigt werden.
Der Satz
Hier entsteht der Unterschied zwischen einem gedruckten Word-Dokument und einem Buch. Satzspiegel, Kolumnentitel, Seitenzahlen, Kapitelanfänge, Bildunterschriften, Silbentrennung im Fließtext, Vermeidung von Schusterjungen und Hurenkindern – den einzelnen Punkten sieht man wenig an, ihrer Summe sehr viel.
Sie bekommen den Umbruch als PDF, tragen Korrekturen ein, wir setzen sie um. Zwei Runden sind üblich, drei kommen vor. Wichtig: Textänderungen verschieben den Umbruch – wer nach der zweiten Runde noch Absätze hinzufügt, verschiebt womöglich hundert Seiten.
ISBN, Pflichtexemplare, Rechte
Braucht es eine ISBN?
Nur, wenn das Buch über den Buchhandel verkauft werden soll. Für ein Vereinsjubiläum, eine Chronik oder ein Buch im eigenen Umfeld ist sie unnötig. Wenn Sie eine wollen, sagen wir Ihnen, wo Sie sie bekommen.
Pflichtexemplare
Wer in Nordrhein-Westfalen ein Werk veröffentlicht und in Verkehr bringt, muss Pflichtexemplare an die Landesbibliothek abgeben. Für die private Chronik in 30 Stück gilt das nicht. Wir weisen darauf hin, bevor die Auflage feststeht – damit die Exemplare eingerechnet sind.
Bildrechte
Der Punkt, der am häufigsten übersehen wird. Historische Aufnahmen aus dem Vereinsarchiv haben einen Fotografen, auch wenn niemand mehr weiß, wer es war. Und auf Fotos abgebildete Personen haben ein Recht am eigenen Bild. Bei einer Chronik lohnt es sich, das früh zu klären – nicht, wenn das Buch schon gedruckt ist.
Auflage: lieber nachdrucken
Die Versuchung ist groß, gleich großzügig zu drucken, weil der Stückpreis dann fällt. Bei Chroniken und Jubiläumsbänden geht das regelmäßig schief – die zweite Hälfte der Auflage steht Jahre später noch im Vereinsheim.
Im Digitaldruck ist Nachdrucken günstig genug, dass sich eine vorsichtige erste Auflage lohnt. Rechnen Sie, wie viele Sie sicher absetzen, und legen Sie zehn Prozent drauf. Nicht das Dreifache.