Papier verstehen
Papier ist die eine Entscheidung, die man am Bildschirm nicht treffen kann. Was die Zahlen im Angebot bedeuten und woran Sie das richtige erkennen.
Grammatur: die Zahl, die jeder kennt
„170 Gramm" heißt: Ein Quadratmeter dieses Papiers wiegt 170 Gramm. Mehr sagt die Zahl nicht – und genau da fangen die Missverständnisse an.
Als grobe Orientierung reicht sie trotzdem:
| Grammatur | Typisch für |
|---|---|
| 80–100 g/m² | Briefpapier, Kopien, Innenseiten von Broschüren |
| 115–170 g/m² | Flyer, Magazininnenteile, hochwertige Briefbogen |
| 200–250 g/m² | Postkarten, Umschläge von Broschüren, Mappen |
| 300–400 g/m² | Visitenkarten, Einladungen, Anhänger |
Ein Flyer aus 80er-Papier wirkt wie ein Handzettel, einer aus 250er wie eine Einladung. Der Inhalt ist derselbe. Wer beim Papier spart, spart an der Stelle, die der Empfänger als Erstes in der Hand hat.
Volumen: warum 300 Gramm nicht gleich 300 Gramm sind
Zwei Papiere mit derselben Grammatur können unterschiedlich dick sein. Das Volumen gibt an, wie viel Dicke pro Gewicht herauskommt. Ein Papier mit dem Volumen 1,3 ist bei gleichem Gewicht dreißig Prozent dicker als eines mit Volumen 1,0.
Das ist mehr als eine Zahlenspielerei. Bei einem Buch entscheidet das Volumen darüber, wie dick der Band am Ende wird – und damit über die Rückenbreite des Umschlags. Bei einem Mailing entscheidet es mit darüber, ob die Sendung noch ins Portofenster passt.
Gestrichen oder ungestrichen
Das ist die Entscheidung, die man am deutlichsten sieht und fühlt.
Gestrichenes Papier
Hat eine Beschichtung, die die Fasern zudeckt. Farbe bleibt an der Oberfläche stehen, statt einzusinken. Ergebnis: kräftige Farben, feine Details, scharfe Kanten. Gibt es matt, seidenmatt und glänzend. Für alles, wo Bilder wirken sollen – Kataloge, Prospekte, Fotobände.
Der Haken: Man kann kaum darauf schreiben, und Glanz spiegelt. Ein Formular auf Hochglanz ist ein Ärgernis.
Ungestrichenes Papier
Offenporig, natürlicher Griff, sichtbare Struktur. Farbe sinkt ein und wirkt dadurch etwas ruhiger – was bei Bildern ein Nachteil und bei Text ein Vorteil ist. Beschreibbar, angenehm zu lesen, kein Spiegeln. Briefbogen, Geschäftsausstattung, Romane, Werkdruckpapiere.
Weiße ist nicht gleich Weiß
Papiere gibt es von warmweiß über naturweiß bis hochweiß. Der Unterschied fällt erst auf, wenn zwei nebeneinanderliegen – dann aber sofort. Wer Visitenkarte und Briefbogen bei zwei Anbietern bestellt, hat oft zwei verschiedene Weiß auf dem Tisch.
Deshalb legen wir bei einer Geschäftsausstattung das Papier einmal fest und schreiben es in die Unterlagen. Beim Nachdruck in zwei Jahren steht dann nicht „irgendwas in 300 Gramm" im Auftrag.
Recycling und Zertifikate
Recyclingpapier ist längst nicht mehr grau und rau. Gute Sorten unterscheiden sich für das ungeübte Auge kaum von Frischfaserpapier – und für viele Betriebe ist der Blaue Engel auf der Rückseite ein Argument, das zur eigenen Haltung passt.
Verbreitet sind außerdem FSC- und PEFC-Zertifikate, die die Herkunft des Holzes belegen. Wenn Ihnen das wichtig ist, sagen Sie es beim Angebot – zertifiziertes Papier gibt es in fast allen Sorten, aber es wird nicht automatisch genommen.
Der praktische Rat
Papier lässt sich am Bildschirm nicht beurteilen. Wir haben Muster im Haus – kommen Sie vorbei und fassen Sie drei Sorten an, bevor Sie sich für eine entscheiden. Das dauert zwanzig Minuten und ist die einzige verlässliche Methode.
Und wenn es schnell gehen muss: Nennen Sie uns den Zweck, nicht die Zahl. „Eine Einladung, die sich wertig anfühlt" führt zu einem besseren Ergebnis als „bitte 250 Gramm".