Relaunch, ohne bei Google zu verschwinden
Eine neue Website kann über Nacht die Hälfte ihrer Besucher verlieren. Nicht weil sie schlechter ist – sondern weil niemand die alten Adressen weitergeleitet hat. So vermeiden Sie den Sichtbarkeitsverlust.
Warum eine neue Website Besucher verlieren kann
Google kennt Ihre alte Website Adresse für Adresse. Zu jeder dieser Adressen hat es sich über Jahre eine Einschätzung gebildet: worum es dort geht, wie oft sie verlinkt wird, wie zufrieden die Besucher waren.
Beim Relaunch ändern sich häufig die Adressen. Aus /leistungen/druck.html wird /druckerei-dueren/. Wenn niemand die Verbindung zwischen alt und neu herstellt, passiert zweierlei: Der alte Eintrag im Suchergebnis führt ins Leere, und die neue Seite startet bei null.
Das ist kein Randproblem. Es ist der häufigste vermeidbare Fehler beim Website-Relaunch – und er fällt erst zwei bis vier Wochen später auf, wenn die Besucherzahlen einbrechen.
Vorher: das Inventar
Bevor die neue Seite gebaut wird, wird die alte vollständig erfasst. Jede Adresse, jede Seite, jede PDF-Datei. Dazu die Frage, welche davon überhaupt Besucher bekommen – das steht in der Google Search Console, und wenn es sie noch nicht gibt, ist das der Moment, sie einzurichten.
Aus diesem Inventar entsteht eine Liste mit zwei Spalten: alte Adresse, neue Adresse. Für jede einzelne. Seiten, die ersatzlos wegfallen, bekommen das thematisch nächstliegende Ziel – nicht pauschal die Startseite. Eine Weiterleitung, die alles auf die Startseite schickt, wertet Google als Fehlerseite mit Umweg.
Beim Umzug: die Weiterleitungen
Jede alte Adresse bekommt eine dauerhafte Weiterleitung, technisch eine 301. Der Unterschied zur zeitweiligen 302 ist wichtig: Nur bei einer 301 überträgt Google die aufgebaute Einschätzung auf die neue Adresse.
Ebenfalls dazu gehören:
- Eine Variante der Domain festlegen. Mit oder ohne „www", immer HTTPS. Alles andere leitet dorthin weiter – sonst existiert dieselbe Seite für Google mehrfach.
- Canonical-Angaben. Jede Seite benennt ihre eigene, endgültige Adresse. Das verhindert Doppelungen durch Parameter.
- Eine neue Sitemap. Und die alte aus der Search Console entfernen.
- robots.txt prüfen. Der klassische Unfall: Die Testversion stand auf „noindex", und beim Umschalten hat es niemand entfernt. Dann verschwindet die Website binnen Tagen aus dem Index.
Danach: hinsehen
In den ersten Wochen sind drei Dinge zu beobachten:
- Die Abdeckung in der Search Console. Dort tauchen Fehler auf, die im Browser niemandem auffallen – Seiten, die nicht indexiert werden, und Weiterleitungen, die ins Nichts zeigen.
- Die Fehlerseite. Wer dort landet, ist über einen Link gekommen, der nicht mehr stimmt. Jeder Treffer ist ein Hinweis auf eine vergessene Weiterleitung.
- Die Besucherzahlen im Vergleich. Ein leichter Rückgang in den ersten zwei bis drei Wochen ist normal, weil Google neu bewertet. Ein Einbruch um die Hälfte ist es nicht.
Was sich sonst noch ändert
Nicht nur Suchmaschinen kennen Ihre alten Adressen. Denken Sie an:
- QR-Codes auf gedruckten Flyern, Fahrzeugen und Schildern
- Links in E-Mail-Signaturen und Newslettern
- Ihren Eintrag im Google-Unternehmensprofil und in Branchenverzeichnissen
- Verweise von Partnern, Verbänden und Lieferanten
Die gedruckten Sachen lassen sich nicht ändern – aber genau deshalb müssen die Weiterleitungen bestehen bleiben. Nicht sechs Monate, sondern dauerhaft. Ein Flyer von 2019 liegt in manchem Büro immer noch.
Der Satz, auf den es ankommt
Fragen Sie jeden Anbieter, der Ihnen eine neue Website baut, diesen einen Satz: Wie stellen Sie sicher, dass wir bei Google nicht verschwinden?Wenn die Antwort vage bleibt, wissen Sie genug.